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Die Frage "Phasenmodell oder Rapid Prototyping” wird seit über einem Jahrzehnt in Fachkreisen leidenschaftlich diskutiert, neuerdings belebt durch die Gestaltung von Internetanwendungen und durch die Diskussion über Extreme Programming (XP). Dabei wird das phasenbasierte Vorgehen auch als Wasserfall- und das evolutionäre Vorgehen als Spiralmodell bezeichnet, abgeleitet von entsprechenden grafischen Darstellungen, die nur jeweils eine von mehreren Veranschaulichungen sind. Die Verfechter des Spiralmodells behaupten gerne, das Wasserfallmodell sei altmodisch, weil Großrechner-orientiert und eine Bastion der zentralen DV-Abteilungen, die die Anwender nicht beteiligen wollen. Vor allem aber kritisieren sie, es laufe ohne Rückkopplungen von späteren in frühere Phasen ab, also ohne die Erkenntnisse zu nutzen, die man zwangsläufig im Projektverlauf gewinnt. Diese Kritik ist berechtigt, wenn beim Phasenmodell die Projektphasen zu streng voneinander getrennt werden.
Wenn es darum geht, frühzeitig eklatante Fehlentwicklungen und damit verbundene hohe Fehlinvestitionen zu vermeiden, ist das Rapid Prototyping ein äußerst probates Gegenmittel. Entwickler und Endanwender bzw. Auftraggeber sprechen oft eine unterschiedliche Sprache. Zudem fällt es dem Auftraggeber in der Regel schwer, die Anforderungen an ein System detailliert und vollständig zu formulieren. Daher sagt auch unsere Erfahrung: Je früher ein Programmsystem vom Endanwender bzw. vom Auftraggeber daraufhin überprüft werden kann, ob es den tatsächlichen Anforderungen und Wünschen entspricht oder zumindest auf dem richtigen Weg dorthin ist, um so wahrscheinlicher wird ein fristgerechter, erfolgreicher Abschluss des Projekts.
Das Phasenmodell erfordert mehr Planung als das Rapid Prototyping. Softwarewerke zum Festpreis/-termin sind in der Regel nur bei phasenweisem Vorgehen möglich. Große Projekte, die Investitionsentscheidungen voraussetzen, wird man daher zumeist phasenweise und zudem in Stufen durchführen.
Dem Phasenmodell können durchaus auch evolutionäre Elemente beigemischt sein, ebenso wie die einzelnen evolutionären Prototypen in einem Mini-Phasenmodell entstehen können. In unserer Praxis wenden wir aus o.g. Gründen zu Beginn eines Projekts gerne das Rapid Prototyping an und gehen dann zum Phasenmodell über. Dabei ist der richtige Zeitpunkt und der Grad der jeweiligen Verfahrensanwendung von Bedeutung.
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